Grundlagen

Wissenschaft

Was sagt die Forschung — und was sagt sie ausdrücklich nicht? Eine ruhige Auseinandersetzung mit der Studienlage, damit du dir ein eigenes Bild machen kannst. Ohne Urteil, ohne vereinfachte Antworten.

2023

frauen leben 3

Gefördert von der BZgA und über mehr als 25 Jahre konzipiert: eine der umfangreichsten deutschlandweiten Studien zur Familienplanung. Zwischen 2012 und 2020 wurden in vier Erhebungsphasen über 19.000 Frauen befragt – ergänzt durch mehr als 130 qualitative Interviews. Besonderer Wert liegt auf der Lebenslaufperspektive: Schwangerschaftsintentionen werden nicht als isolierte Ereignisse, sondern im Kontext der Biografie betrachtet.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Fast 30 % aller Schwangerschaften sind unbeabsichtigt, 15 % sind ausdrücklich ungewollt. Davon werden 55 % ausgetragen und 45 % abgebrochen.
  • Es gibt kein typisches Alter: Ungewollte Schwangerschaften treten zwischen 19 und 35 Jahren mit vergleichbarer Häufigkeit auf – etwa 10 von 1.000 Frauen je Altersjahr.
  • Schwierige Lebensumstände sind der Hauptgrund: Bei über zwei Dritteln der ungewollten Schwangerschaften ist die berufliche oder finanzielle Situation ungeeignet für ein Kind, bei 46 % bestehen gesundheitliche Bedenken.
  • Beratungsangebote werden besonders häufig genutzt: 35 % der ungewollt Schwangeren suchen eine Schwangerschafts- und Familienberatungsstelle auf, bei erstmaligen Schwangerschaften sogar 49 %.
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2024

Erfahrungen und Lebenslagen ungewollt Schwangerer (ELSA)

Ein Forschungsverbund von sechs Universitäten und Fachhochschulen erforscht die sozialen und gesundheitlichen Belastungen und Ressourcen von Frauen, die ungewollt schwanger sind und diese Schwangerschaft austragen oder abbrechen. Ziel ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen sowie zu ergründen, wie die Unterstützung und Versorgung, die sie erfahren, die Verarbeitungsprozesse befördern oder erschweren.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Ungewollt schwangere Personen, die eine Beendigung in Erwägung ziehen, fühlen sich in vielen Situationen stigmatisiert und nicht angemessen mit Informationen versorgt.
  • Im Süden und Westen Deutschlands haben ungewollt schwangere Personen oft keinen angemessenen Zugang zu medizinischer Versorgung.
  • Personen, die einen Schwangerschaftsabbruch erlebt haben, bereuen diesen in der Regel nicht — es geht ihnen ein Jahr danach gesundheitlich und mental so gut wie jenen, die die Schwangerschaft ausgetragen haben.
  • Auch Ärzt:innen erleben Stigmatisierung, wenn sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen: 65 % haben diese bereits im privaten und öffentlichen Umfeld erlebt.
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